
Dolch für Seeoffiziere nach der Vorschrift von 1901, geführt von Korvettenkapitän Wilhelm Rebensburg
Für einen ambitionierten Blankwaffensammler ist es immer etwas besonderes, wenn ein Artefakt mit dem Namen des ehemaligen Trägers auftaucht.
Ein Name, dazu ein wenig Neugierde und Geduld, ermöglichen oft Nachforschungen deren Ergebnisse dem Stück seine Geschichte zurückgeben und die Vergangenheit verstehbar machen.
Bei manchen Namen, oder wenn es sich wie hier um eine Abkürzung handelt, wird eine sog. Rangliste benötigt, die alle Seeoffiziere mit Namen und Tätigkeiten benennt. Manchmal jedoch ergibt auch eine einfache Internetrecherche schon spannende Ergebnisse die zu weiteren Forschungen anregen.
Wilhelm Rebensburg wurde am 4. Februar 1883 geboren und trat im April 1901 in die Marine ein.
Er diente auf den Torpedobooten T102 und S124 der Küstenschutz Division der Ostsee. Im September 1914 übernahm er als Kommandant das Torpedoboot G135.
Im April 1915 wurde er als Kapitänleutnant Chef der 19. Torpedoboot Halbflottille in Liebau und im November 1917 Admiralstabsoffizier beim Oberbefehlshaber der Ostsee.
Er überlebte den Ersten Weltkrieg und schied am 22. November 1919 aus dem aktiven Dienst aus. Am 4.2.1920 wurde er zum Korvettenkapitän chargiert.
Der vorliegende Dolch ist aus mehreren Gründen bemerkenswert:
Interessanterweise wurde auf der Klingenfehlschärfe der Name des Lieferanten deutlich sichtbar eingeätzt. Die Firma Robrecht war in Berlin ansässig, und zwar auf dem Grundstück Hildebrandstraße 5, in einem Haus in dem sich heute die Botschaft von Estland befindet. Die Familie des Hoflieferanten Robrecht war darüber hinaus Eigentümerin des Gutes Meffersdorf in Schlesien.
Eine derartig herausgehobene Namensätzung des Lieferanten einer Blankwaffe ist ungewöhnlich, zumal an dieser Stelle höchstens einmal persönliche Widmungen an oder vom Träger oder sein Name angebracht wurden. Es sieht fast so aus, als wäre dieser Dolch aus dem Ausstellungsraum der Firma heraus verkauft worden, versehen mit einer deutlichen Werbebotschaft.
Die Parierstange ist ebenfalls außergewöhnlich, handelt es sich doch um ein Exemplar mit sehr kurzen, als Gangspill ausgebildeten Parierstangenenden. Diese kurzen Enden sind ein wenig dicker und weniger elegant als die Enden, die sonst an Marinedolchen der Kaiserzeit üblich waren.
Auch wenn es nicht die Intention der Autoren ist Kennzeichen von Fälschungen, sog. Fakes, gewissermaßen als Anleitung zu publizieren, möchten wir hier eine Ausnahme machen: Heutzutage sind diese kurzen Parierstangenenden ein Zeichen für eine mögliche Nachfertigung, Sammler sollten daher beim Auftauchen einer solchen Parierstange an einem kaiserlichen Dolch sehr zurückhaltend sein.
Am Dolch des Wilhelm Rebensburg sehen wir jedoch einmal das Original einer solch seltenen Parierstange. Die Autoren vermuten, auch aufgrund eines anderen bekannten Exemplars, dass insbesondere bei Dolchen des Lieferanten Robrecht solch kurze Parierstangen an Originalstücken zu finden sind.
Die Klinge des vorliegenden Stückes ist aus hochwertigem, handgeschmiedeten Damaststahl im sog. Maidenhair pattern, eine treffende Bezeichnung amerikanischer Sammler, da das Muster an fallendes, langes Frauenhaar erinnert.
Der Griff ist interessanterweise mit einer handgeschnittenen, doppelten, leicht eingefärbten Zierlinie versehen, die eine Drahtwicklung optisch nachbildet, ohne das jemals eine solche am Griff angebracht worden war. Man sieht eine derartige Gestaltung nicht allzu häufig an Marinedolchen der Kaiserzeit. Der Griff erinnert ein wenig an einen Griff eines Dolches von 1848, den wir in unserem Buch auf Seite 70 bis 77 abgebildet haben und mag durchaus einen Rückgriff in das Design dieser Zeit darstellen.
Ein ungewöhnlicher, hochwertiger und aufgrund seiner Personalisierung für einen fortgeschrittenen Sammler begehrenswerter Dolch.
Infobox:
Krone, Parierstange und Scheide aus Messing, Griff Elfenbein, um 1906
Gesamtlänge 40,5 cm
Klingenlänge 33,5 cm
D.A.G.G.E.R.® Bewertung A/A/B