Automobilcorps


Der erste Weltkrieg


„In ganz Europa gehen die Lichter aus – wir werden es nicht erleben, wenn sie wieder angezündet werden.“

So kommentierte der britische Außenminister Grey am 3. August 1914 den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Es war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, die ganz Europa und somit auch das „Kaiserliche Freiwilligen Automobil-Corps“ mehr oder weniger vorbereitet traf.

Am 31. Juli 1914 verkündete der Kaiser den „Zustand drohender Kriegsgefahr“, dem einen Tag später die Generalmobilmachung folgte.

Der deutschen Armee standen zu Beginn des Krieges nur wenige Automobile zur Ver­fü­gung. Entsprechend kamen die Fahrzeuge des Corps samt ihrer in Offiziersstellung – nicht Rang – diensttuenden Mitglieder sofort zur Verwendung, zumal diese sogar ihre eigenen Techniker mitbrachten, ebenfalls wohlbestallt in der Stellung eines Unteroffiziers. Wohl gemerkt, auch hier handelt es sich um eine verliehene Dienststellung, nicht um einen erworbenen, militärischen Dienstrang.

Mitglieder des Corps wurden an allen Fronten eingesetzt. Für Fahrten für höhere Stäbe, Meldeaufgaben, Transport von Mannschaft und Material sowie im Sanitätswesen waren sie unersetzlich.

Die Vorderseite des offiziellen Protokolls der Mitgliederversammlung des Kaiserlichen Freiwilligen Automobil-Corps von Donnerstag, den 25. Februar 1915 in Charleville. Der Leser wird  verwiesen auf die Erwähnung des Reichsfreiherren von Reitzenstein, dessen signierter Dolch in diesem Artikel vorgestellt wird. Sammlung Victor Diehl



Über die Verwendung des Kaiserlichen Freiwilligen Automobil-Corps gibt uns der amerikanische Journalist Cyril Brown Auskunft. Dieser begabte Journalist hält sich entgegen aller deutschen Anordnungen und selbstverständlich vor Kriegseintritt der Vereinigten Staaten im Zentrum des deutschen Geschehens, im Großen Hauptquartier, auf. In seinem Ar­tikel für die New York Times nennt er den Namen des Ortes aus Geheimhaltungsgründen nicht, jedoch ist es Charleville. Er erwähnt in seinem überaus lebendig und spannend geschriebenen Bericht ausdrücklich die Anwesenheit des Chefs des Freiwilligen Automobil-Corps unter den militärischen Befehlshabern. Er beschreibt die Fahrten des Kaisers zur Front im Automobil, eines Kaisers, der so einiges von seinem Vorkriegspomp eingebüßt hat. Das Verhalten der deutschen Truppen beschreibt er als korrekt und manchmal sogar freundlich. Aber lassen wir ihn selbst berichten:

„ ... Hier kommt immer mehr der Eindruck auf, daß die Deutschen in ihrer Kriegsführung eine Lektion von den rührigen Amerikanern gelernt haben – dem Verbinden der amerikanischen Geschwindigkeit mit ihrer angeborenen Gründlichkeit, welches eine kaum zu schlagende Kombination ergibt.

Zum Beispiel, gibt es einen regulären Kurierdienst zwischen dem Großen Hauptquartier und Berlin mit stark motorisierten Rennwagen, dessen Fahrplan eine Gesamtfahrzeit von etwas weniger als anderthalb Tagen vorsieht – damit schlägt er die Bestzeit einer Zugverbindung um vier Stunden!

Einer der ausgesuchten Fahrer, der die letzte Runde durch Frankreich hatte, sagte, dass sein Fahrplan von ihm durchschnittlich 96 km pro Stunde verlange, und dies bei Nachtfahrten! Ein Netzwerk aus schnellen Autostaffeln wird ebenfalls vom Großen Hauptquartier betrieben, es verbindet Brüssel und Antwerpen mit den Hauptpunkten der langen Frontlinie.

Was für eine große Rolle die motorisierten Fahrzeuge bei den Deutschen spielen, möge man aus einer gegenüber dem Verfasser gemachten Schätzung schließen, die besagt, dass 40.000 Fahrzeuge für militärische Zwecke im Einsatz seien. Viele tausend von diesen sind Privatfahrzeuge, die von ihren wohlhabenden Besitzern in deren Funktion als Mitglieder des Freiwilligen Automobil-Corps betrieben werden, dessen Chef, Prinz Waldemar, der Sohn des Seglers Prinz Heinrich, ist. In ihren Reihen finden sich viele große Geschäftsleute, Industriekapitäne, gesellschaftliche Prominenz und akademische Berühmtheiten. Sie tragen die besondere Uniform eines Infanterie-Offiziers mit einem dunkelroten Kragen und einem kurzen, einfach verzierten Dolch.“

Dies ist eine der besten und genauesten Beschreibungen des Corps und seiner Seitenwaffe aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Cyril Brown hat uns nicht nur einen faszinierenden, lesenswerten und authentischen Bericht hinterlassen, er hat uns auch klargemacht, dass diese Dolche auch während der Kriegszeit geführt wurden. Ein mutiger Journalist seiner Zeit.

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Das Deutsche Kaiserliche Automobilcorps und seine Dolche - By Vic Diehl and H.Hampe