Automobilcorps


Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg

Der Club


Am 10. Juli 1899 erfolgte im Berliner Hotel Bristol die Gründung des Deutschen Automobil­Clubs (DAC). Ein Anlass für diese Gründung war der Umstand, dass in Frankreich der Automobilsport gefördert wurde und von Rekord zu Rekord eilte – bereits über 100 km/h wurden erzielt –, während in Deutschland die Entwicklung des Automobilsports nach Auffas­sung der Gründer etwas zurückblieb. Daher wurde als Clubzweck auch die Pflege des Automobilsports angegeben.

Erste Protektorin des Clubs war die Großherzogin Anastasia von Mecklenburg-Schwerin.

Zum Vorsitzenden wurde der Herzog Viktor von Ratibor gewählt, der dieses auch lange Jahre blieb.

Mit Allerhöchster Kabinetts-Order übernahm am 24. Dezember 1905 der Kaiser persönlich das Protektorat über den DAC, der sich daraufhin in Kaiserlicher Automobil-Club (KAC) umbenannte.


Großherzogin Anastasia wurde Ehrenprotektorin.

Der Club hatte einen eigenen Marsch als Clubhymne, der anlässlich des zehnten Gründungsjah­restages vom Komponisten des berühmten Walzers „Wiener Praterleben“, Siegfried Translateur, verfasst wurde, und den Titel „Hurrah! Der Kaiser kommt!“ trägt. Translateur, der deut­scher Jude war, wurde 1944 im KZ Theresienstadt ermordet.

Noten Sammlung H. Hampe

Auch gab der Club zum zehnten Gründungsjubiläum ein Jahrbuch heraus,

Sammlung H. Hampe



das gefüllt war mit Informationen über Verkehrsregeln, Hotelempfehlungen, Informationen zu anderen Clubs und einer der ersten Straßenkarten Deutschlands, die im Wagen mitgeführt werden konnte.

Karte aus der Sammlung H. Hampe


Wichtige Dinge für den frühen Automobilisten. Darüber hinaus konnten Versicherungsverträge geschlossen werden und internationale Verkehrsregeln wurden den staunenden Mitgliedern nahegebracht.

Neben all diesen zivilen Nützlichkeiten verrät uns dieses Jahrbuch aber auch, dass dem Club zum Beginn des Jahres 1910 bereits 48 Kraftfahrzeuge zur Verfügung standen, welche im Falle der Mobilmachung den militärischen Anforderungen an die „Kriegsbrauchbarkeit“ entsprachen. Ein früher und klarer Hinweis auf den paramilitärischen Charakter eines Teils der sonst durchaus friedlich wirkenden Organisation.

Die Mitgliedschaft in diesem elitären Club, vielleicht sogar als Fahrer, hatte eine herausragende Bedeutung in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
Der Fahrerstatus wurde nicht etwa durch das einfache Erwerben einer Mitgliedschaft erworben, er wurde verliehen. Dies macht eine aufwendige Schmuckurkunde vom 27. Juli 1911 deutlich. In dieser Urkunde wird der Kraftwagenführer Karl Sänger aufgrund seiner einwandfreien Dienstleistung in das Register des KAC als Fahrer eingetragen. Dies natürlich erst auf Antrag und somit der Zustimmung seiner Dienstherrschaft, dem Grafen Holnstein.


Urkunde aus der Sammlung H. Hampe



Unterzeichnet ist diese Urkunde vom Präsidenten des Clubs, dem Herzog Viktor Amadeus von Ratibor. Interessant ist die Tatsache, dass er die Urkunde nur mit einem seiner Titel unterzeichnet hat. Sein vollständiger Name samt Titel war zum damaligen Zeitpunkt etwas länger: Viktor Amadeus zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Zweiter Fürst von Corvey, Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfürst und Herzog von Ratibor.
Die Präsidentschaft dieses Angehörigen des deutschen Hochadels ist nur ein weiterer Beweis für die Exklusivität des Clubs.

In den Jahren 1900 bis 1905 wurden sechs Gordon-Bennett-Rennen der Automobile ausgetragen. Die Rennen wurden nach dem Stifter des Wanderpreises, James Gordon Bennett, benannt, dem Besitzer des „New York Herald“. Dieser technikbegeisterte Amerikaner hatte bereits 1894 anlässlich des ersten Automobilrennens der Welt von Paris nach Rouen einen Redakteur seiner Zeitung die Teilnehmer begleiten lassen. Es war sozusagen der erste Live-Bericht über ein solches Ereignis.
Die von ihm ausgerichteten Rennen waren ein hochklassiges internationales Ereignis, das zu gewinnen dem Fahrer und seiner Automarke höchste Anerkennung versprach.
Das 4. Gordon-Bennett-Rennen in Irland wurde am 2. Juli 1903 von dem Belgier Camille Jenatzky gewonnen, und zwar auf einem erstmals teilnehmenden deutschen Fahrzeug, einem Mercedes mit 60 PS. Interessant ist die Tatsache, dass an diesem Rennen auch ein Franzose, ein gewisser Henri Farmann, teilnahm und den 3. Platz belegte. Dieser Mann war ein französischer Flugzeugkonstrukteur.

Mit dem 5. Gordon-Bennett-Rennen wurde 1904 im Taunus das erste internationale Automobilrennen auf deutschem Boden ausgetragen; ein sportliches Großereignis in einer Zeit, in der Autos noch eine viel bestaunte Seltenheit waren. Kaiser Wilhelm II. entschied angeblich höchstpersönlich über die Auswahl der Rennstrecke mit. Mehr als eine Million Zuschauer aus Deutschland und Europa strömten nach Homburg, wo die besten Fahrer auf 550 Kilometern ihr Können unter Beweis stellten und Hersteller wie Opel oder Mercedes ihre technischen Finessen verglichen. [5]

Neben weiteren Rennen wurde ab 1908 erstmalig auch das „Prinz-Heinrich-Rennen“ vom KAC organisiert. Der Prinz hatte für dieses wichtigste deutsche Rennen den Siegerpreis gestiftet.

Der Club residierte in Berlin am Leipziger Platz Nr. 16 in der Villa Bleichröder.
Einhundert Jahre später und nach zwei Weltkriegen wird hier das Haus des Automobilclubs von Deutschland wieder erstehen, mitten im Herzen Berlins.

[5] Rudolf Krönke, Das Gordon-Bennett-Rennen im Taunus 1904, Kaiser, Kurven und Karossen, 2004

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Das Deutsche Kaiserliche Automobilcorps und seine Dolche - By Vic Diehl and H.Hampe