Automobilcorps


Historischer Hintergrund

Das Automobil


Im Jahre 1882 gründete ein gewisser Gottlieb Daimler in Cannstatt bei Stuttgart in Südwest­deutschland eine Versuchswerkstatt mit dem Ziel, kleine schnell laufende Verbrennungsmoto­ren in Land-, Luft- und Wasserfahrzeuge einzubauen. Schon ein Jahr später meldete er zusammen mit Wilhelm Maybach einen einzylindrigen Viertaktmotor zum Patent an. 1885 bauten sie diesen Motor in einen sog. „Reitwagen“ ein, das erste Motorrad erblickte das Licht der Welt.

Ebenfalls im Jahre 1885 baute Carl Friedrich Benz das erste „Automobil", indem er ein dreirädriges Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und elektrischer Zündung schuf, das er ein Jahr später in Mannheim zum ersten Mal fuhr. Es hatte 0,8 PS, die Höchstgeschwindigkeit betrug 16 km/h.

Im selben Jahr wurde der von Daimler und Maybach entwickelte Motor in eine vierrädrige Kutsche eingebaut, somit war auch der vierrädrige Kraftwagen auf den Straßen angekommen.

Am 5. August 1888 setzte sich Berta Benz, die Ehefrau von Carl Friedrich Benz, in den von ihrem Mann konstruierten Wagen und fuhr ohne sein Wissen mit ihren beiden Söhnen die 106 km lange Strecke von Mannheim nach Pforzheim. Mit dieser ersten Überlandfahrt der Geschichte trug sie zum Erfolg des Automobils in nicht unerheblicher Weise bei.

Die fortschreitende Industrialisierung ging einher mit einer stürmi­schen techni­schen Ent­wicklung. Uralte Menschheitsträume wie die vom Fliegen wurden Realität.


Frühe Postkarte aus der Sammlung Hampe mit einem Farman Aeroplan.
Ein Flugzeug, das früh im deutschen Militärwesen Verwendung fand und uns wieder begegnen wird.

Die „Erste Internationale Motorwagen-Ausstellung“ eröffnete am 3. September 1899 in Berlin, im Exerzierhaus des 2. Garderegiments zu Fuß, ihre Tore und war der Anlass für die Gründung des Deutschen Automobil-Clubs im selben Jahr. Vertreten waren 120 Aussteller mit etwa 150 Motorwagen. 81 kamen aus Deutschland, 4 aus Belgien, 14 aus Frankreich und 2 aus der Schweiz [1]. Bis zum Ende der Aus­stellung am 28. September wurden ca. 100.000 Besucher verzeichnet [2]. Es ergab sich ein Überschuss in Höhe von 10.000 Mark – ein Umstand, der heutigen Ausrichtern internationaler Ausstellungen als beispielhaft empfohlen sein mag.

Im Jahre 1901 wurde erstmals der damals noch als „Huppe“ bezeichnete Signalgeber in Preußen eingeführt. Seit dieser Zeit ist u. a. die Hornform der Hupe eines der unverwechselbaren Erkennungszeichen der Automobile.

Wilhelm II. soll nach einer oft erzählten Geschichte noch um die Jahrhundertwende Vorbehalte gegen den „Stinkkarren“, wie er das Auto angeblich nannte, gehabt haben.

Eine Anekdote sagt, dass er im Herbst 1902 einmal vierspännig in der Nähe seines Schlosses mit der Kutsche gefahren sein soll. Dabei wäre ihm ein Major von der Berliner Trainabteilung mit einem Benz Automobil begegnet. Der Kaiser ließ halten und befahl den Major zu einer Wettfahrt. Der Major ließ Seiner Majestät anstandshalber einige Hundert Meter Vorsprung, doch dann rauschte er lärmend an der Kutsche vorbei. Dies soll sogleich den Meinungsumschwung beim deutschen Kaiser bewirkt haben.

Es ist heute wohl nahezu unmöglich, den Wahrheitsgehalt dieser netten Geschichte nachzuprüfen. Zeitgenössische Literatur sagt uns jedoch, dass die ersten Fahrzeuge im Jahre 1903 in den kaiserlichen Marstall kamen und dass bereits 1910 Wilhelm II. 22 Kraftwagen für seinen persönlichen Bedarf, von denen immerhin 20 Personenwagen waren, besaß. Diese Fahr­zeuge waren mit einer speziellen viertönigen Hupe ausgestattet, die den normalen Verkehrsteilnehmern das Herannahen „allerhöchster“ Wagen signalisierte.


Postkarte Sammlung H. Hampe


Die kaiserlichen Fahrzeuge waren elfenbeinfarben und mit dunkelblauen und goldenen Streifen verziert. Die preußischen Hoheitszeichen sind an der Wagentür und am Heck angebracht. Ähnlich war auch der Hofsonderzug des Kaisers farblich gestaltet.

Bereits im Jahre 1911 stellte ein Benz Rennwagen den unglaublichen Rekord von 228 km/h auf! Ein nahezu unglaublicher Wert, der die technische Entwicklung weniger Jahre eindrucksvoll illustriert. Die Zahl der in Deutschland zugelassenen Automobile stieg bis 1914 auf 55.000 an.

Grundsätzlich wurden und werden technische Neuheiten auch immer unter militärischen Aspekten betrachtet. Unter diesem Gesichtspunkt entsprach das Automobil nicht nur dem Zeitgeist des technischen Fortschritts, sondern auch völlig der preußisch-deutschen Militärdoktrin, die nach dem siegreichen Krieg gegen Frank­reich 1870/71 im Angriff die einzig zulässige und ehrenhafte Form der Kriegführung sah.

[1] http://www.scheinschlagonline.de/archiv/1999/08_1999/texte/alt1.html
[2] http://www.scheinschlagonline.de/archiv/1999/08_1999/texte/alt1.html

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Das Deutsche Kaiserliche Automobilcorps und seine Dolche - By Vic Diehl and H.Hampe